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LWL-Wintergespräch 2025: New Work in der Rechnungsprüfung

Der Begriff „New Work“ ist in aller Munde. Aber verstehen auch alle dasselbe darunter? Und gibt es Besonderheiten, die es so nur in der Rechnungsprüfung gibt?

Diese Fragen sollten beim LWL-Wintergespräch am 13./14.01.2025 in Münster vertieft erörtert werden. Eingeladen waren Expertinnen und Experten, die zu bestimmten Teilaspekten der „New Work“ einen Input gaben und ihre Sicht in die Diskussion einbrachten.

Thomas Streffing, Leiter des LWL-Rechnungsprüfungsamtes, begrüßte die Teilnehmenden mit dem Hinweis, dass sich kein Arbeitgeber der Diskussion um „New Work“ entziehen könne. Dies gelte selbstverständlich auch für die Rechnungsprüfung. Deshalb freue er sich, mit den anwesenden Expertinnen und Experten die Thematik diskutieren zu können und zu erfahren, wie andere Rechnungsprüfungsämter hiermit umgehen.

Daniel Tombrock, Seniorprüfer im Rechnungsprüfungsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, gab zunächst einen aktuellen Überblick zum Thema. Er wies auf die Entstehung und die Bedeutung des Begriffs nach Frithjof Bergmann hin: „Das Ziel der Neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu transformieren, damit sie freie, selbstbestimmte, menschliche Wesen hervorbringt.“ Weiter erläuterte er die Grundprinzipien von New Work: örtliche und zeitliche Flexibilisierung der Arbeit, Veränderung der Organisation zu agil und projektbasiert, Enthierarchisierung, Partizipation und Selbstorganisation sowie sinnstiftend und wertebasiert. Positive Aspekte seien erhöhte Motivation und Mitarbeiterbindung, Kreativitätsförderung durch neue Freiräume sowie eine verbesserte Work-Life-Balance. Herausforderungen würden darin bestehen, dass Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen könnten, ein erhöhter Koordinationsaufwand bei virtuellen Teams gegeben sei, das Erfordernis neuer Kompetenzen wie digitale Skills bestünde und neue Büroformen wie Desk Sharing zu bewältigen seien. Weiter ging er auf agile Arbeitsmethoden und digitale Tools ebenso ein wie auf Potenziale.

Sylvia Hofmann, Leiterin des Rechnungsprüfungsamts der Landeshauptstadt Potsdam, beschäftigte sich in ihrem Impuls mit dem wichtigen Aspekt der „Identifikation mit dem Rechnungsprüfungsamt“. Sie schilderte, dass sich ihr RPA mit 15 Mitarbeitenden im Jahr 2023 einem Stresstest unterzogen habe. Man sei nämlich von Einzel- bzw. Zweipersonenbüros in ein Großraumbüro umgezogen. Sie zeigte die Herausforderungen hinsichtlich Arbeitsorganisation, Ergonomie und Gesundheit, Wertewelten und Kommunikation auf. Wichtig sei es gewesen, das Team mitzunehmen. Es habe Vorteile, aber auch Nachteile gegeben. Für letztere habe man Lösungen gefunden. Großraumbüros bergen Konfliktpotential, da unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen räumlich eng zusammenarbeiten müssten. Insbesondere für konzentrierte Arbeitstätigkeiten helfe es z. B., Rückzugsräume anzubieten. Abschließend ging sie auch auf Führung im Großraumbüro ein und wies darauf hin, dass u. a. Einfühlungsvermögen erforderlich sei und ein laufender Austausch angeboten werden müsse, um den Arbeitsalltag optimal zu organisieren.

Niels Werner, Leiter der Grundsatzabteilung im Revisionsamt der Stadt Frankfurt am Main, beleuchtete in seinem Impulsreferat die technischen Rahmenbedingungen von New Work. Ohne Technik gebe es keine effiziente und moderne Rechnungsprüfung. Technologie sei der Schlüssel zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen. Er sieht Digitalisierung als notwendige Basis für die Weiterentwicklung der öffentlichen Rechnungsprüfung. Rechnungsprüfung 4.0 sei gekennzeichnet durch Homeoffice und Desk Sharing. Jedes Rechnungsprüfungsamt müsse über ein „Digital Mindset“ und ein „Digital Skillset“ verfügen. Säulen von New Work in der Rechnungsprüfung seien Flexibilität (Mobile Prüfungen/Verzahnung beruflicher und privater Belange), Verantwortung (Selbstorganisation von Prüfteams/autonome Prüfungen) und Technologie (Nutzung der angebotenen Software/Digitalisierung der Prüfverfahren/Einsatz von Datenanalyse-Tools). Zukünftige Entwicklungen bestünden im Einsatz von KI zur Mustererkennung sowie in der Nutzung von Blockchains zur Verifizierung von Transaktionen.

Christine Kaiser, Leiterin des Beratungs- und Prüfungsamtes der Stadt Hilden, ist der Ansicht, dass New Work durch eine Erhöhung der Lebenszufriedenheit, die Reduktion von Stress und die Stärkung der physischen und psychischen Gesundheit das Potential hat, das Leben „schöner“ zu machen. Dennoch erscheine es wichtig, die Herausforderungen und Grenzen von New Work zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die positiven Aspekte nachhaltig zu sichern. Die Verwaltung bei diesen Transformationsprozessen zu beraten und zu unterstützen, sei eine besonders anspruchsvolle, aber zugleich auch besonders wirksame Aufgabe der örtlichen Rechnungsprüfungen. Auch diese seien gefordert, die Chancen von New Work zu erkennen und sich zu verändern.

Matthias Warnecke, Referatsleiter im LWL-Rechnungsprüfungsamt, schilderte seine persönliche Sichtweise auf die Situation im LWL-RPA. Diese sei dadurch gekennzeichnet, dass in der Regel 6 Personen jeden Tag im Büro seien, 27 Personen jedoch 2-3 Tage im Homeoffice. Die Kommunikation habe sich geändert: mehr Mails, mehr Telefonate, mehr Videokonferenzen. Die Planung von Austauschformaten müsse hierauf angepasst werden: verbindliche Präsenztreffen, hybride Arbeitskreise, gemeinsame Pausen. Er gewährte auch einen Einblick in seine Gefühlswelt und zeigte die Spannbreite zwischen „Was macht der eigentlich im Homeoffice?“ und „Schön, dass Du heute hier bist!“ auf. Seine Sorgen: Weniger Bindung an das RPA, Teamgedanke leidet, mehr Arbeit für Führungskräfte, Entgrenzung zwischen Beruf und Privatleben. Oder zugespitzt: „Der Mensch ist ein soziales Wesen – isolieren wir uns zusehends?“ Seinen Wunsch für die Zukunft drückte er sportlich aus:
LWL-RPA : Homeoffice > 3 : 2.

Claudia Nadenau, Stellvertretende Fachbereichsleitung des Fachbereichs Rechnungsprüfung der Stadt Aachen, widmete sich dem Thema „Karriere? Nein Danke!“ Sie wies zunächst darauf hin, dass Arbeit von nachfolgenden Generationen jeweils neu interpretiert werde. Heutzutage stehe das Streben nach einem authentischen Leben statt einer klassischen Karriere im Vordergrund. Der Fokus liege auf individuellen Bedürfnissen statt gesellschaftlicher Erwartungen. Es gebe die Notwendigkeit für neue Arbeitsmodelle und flexible Definitionen von Erfolg. Unternehmen und Gesellschaft müssten sich an die Werteverschiebung anpassen.

Arnold Volkwein, Stellvertretender Leiter des LVR-Fachbereichs Rechnungsprüfung, erläuterte zum Thema „Fachkräftemangel: So kann man gegensteuern“, dass wir in einer von Veränderung geprägten Arbeitswelt die Arbeitsbedingungen so gestalten müssen, dass sie die Talente von heute anziehen und binden. Nur durch einen Wandel in der Unternehmenskultur und flexible Arbeitsmodelle könnten wir uns dem Fachkräftemangel wirksam stellen. Er sah dringenden Handlungsbedarf für Führungskräfte in Themenbereichen wie wertschätzende Führungskultur, Feedback, Talent-Management, Partizipation, Information, Re-/Upskilling oder nachhaltigem Onboarding.

Richard Uhkötter, Leiter des Amtes für Rechnungsprüfung und Beratung des Kreises Warendorf, befasste sich mit dem Thema „Zukunftsfähig und spitze – dank New Work!“ Ziele seien die Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber, die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit sowie die Steigerung der Produktivität und Innovationskraft. Mittel hierzu seien die Entgrenzung der Arbeit von Raum, Zeit und Ort. Positive Nebeneffekte seien die Optimierung des Flächenbedarfs, die Reduzierung des Energieverbrauchs sowie der Abbau strenger hierarchischer Strukturen. Auch das RPA müsse zukunftsfähig gemacht werden. Prüfung sei zwar immer auch eine Einzelleistung. Der fachliche Austausch untereinander bleibe aber sehr wichtig. Hinsichtlich der Kommunikation mit den Geprüften sei es erforderlich, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Kleinere Kommunen müssten die interkommunale Zusammenarbeit verstärken, da hier die qualitative und quantitative Ausstattung fast nie ausreichend sei.

In der Abschlussrunde betonten die Teilnehmenden, dass die Führungskräfte bei der Ausgestaltung von Homeoffice mitgenommen werden müssten, da auf sie zusätzlicher Koordinationsaufwand zukomme. Es dürfe aber nicht zu einem Auseinanderdriften von Führungskräften und Beschäftigten kommen. New Work sei immer auch individuell zu gestalten. Die Arbeitsergebnisse müssten jedoch im Vordergrund stehen. Bedauert wurde, dass es kein Konzept zu New Work in der öffentlichen Verwaltung gebe. Jede Verwaltung bastle selbst vor sich hin. Die Möglichkeiten zur weiteren Digitalisierung seien noch nicht ausgeschöpft. Es reiche nicht, Technik bereitzustellen. Es müssten auch passgenaue Fortbildungen angeboten werden.

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