LWL-Wintergespräch 2026: Trends in der Rechnungsprüfung
Die kommunale Rechnungsprüfung ist kein starres Aufgabenfeld, sondern unterliegt wie das übrige Verwaltungshandeln einem ständigen Wandel. Gelegentlich entwickeln sich Trends, deren Sinnhaftigkeit vertieft reflektiert werden sollte.
Hierzu bot das LWL-Wintergespräch am 12./13.01.2026 in Münster eine gute Gelegenheit. Eingeladen waren Expertinnen und Experten, die zu bestimmten „Trends“ einen Input gaben und ihre Sicht in die Diskussion einbrachten.
Thomas Streffing, Leiter des LWL-Rechnungsprüfungsamtes, begrüßte die Teilnehmenden mit dem Hinweis, dass er während seiner langjährigen Tätigkeit schon viele Trends erlebt habe. Manche seien verschwunden. Manche seien dazugekommen. Und manche seien plötzlich wieder aufgetaucht. Deshalb freue er sich, mit den anwesenden Expertinnen und Experten die Trends zu diskutieren und zu erfahren, wie andere Rechnungsprüfungsämter hiermit umgehen.
Alexander Lau, Leiter des Rechnungsprüfungsamts der Landeshauptstadt Hannover, widmete sich dem Thema: „Begleitende Prüfung und gezielte Beratung: Erfolgsfaktoren für gute Rechnungsprüfung.“ Er setzte an den Anfang seines Impulses zwei sich auf den ersten Blick widersprechende Thesen. Einerseits solle die Rechnungsprüfung prüfen. Sie könne nicht operativ tätig sein und müsse (oder sogar dürfe) nicht beraten. Andererseits schaffe die Rechnungsprüfung (nur) durch begleitende Prüfung und Beratung echte Mehrwerte. Er zeigte die Vor- und Nachteile der jeweiligen Sichtweisen auf und kam zu dem Fazit: „Die Mischung macht´s.“
Kirstin Weinand-Kuntz, Leiterin des Rechnungsprüfungsamts der Landeshauptstadt Saarbrücken, beschäftigte sich mit der Frage, ob dauernde Überwachung der Verwaltung machbar und zweckmäßig sei. Sie vertrat die Auffassung, dass die dauerhafte Überwachung der Verwaltung mithilfe von Künstlicher Intelligenz technisch zunehmend machbar und unter bestimmten Voraussetzungen auch zweckmäßig sei. KI-Systeme ermöglichten eine automatisierte Analyse von Verwaltungsprozessen in Echtzeit. Damit würden Effizienz und Transparenz staatlichen Handelns gesteigert. Gleichzeitig werfe der Einsatz von KI Fragen nach Datenschutz, algorithmischer Fairness und demokratischer Kontrolle auf. Eine solche Überwachung dürfe nicht zu einem entpersonalisierten Kontrollregime führen, sondern müsse rechtstaatlich eingebettet, nachvollziehbar und ethisch verantwortbar sein. KI könne ein wertvolles Werkzeug sein, aber kein Selbstzweck. Es sei immer eine Einzelfallabwägung, ob eine dauernde Überwachung zweckmäßig sei.
Jochen Lachnit, Leiter des Revisionsamts der Stadt Frankfurt/Main, betonte in seinem Statement die Unverzichtbarkeit von Revisionsmarketing. Revisionsmarketing sei von hoher Bedeutung für die Wirksamkeit der Rechnungsprüfung – und auch für die Personalgewinnung. Revisionsmarketing müsse aktiv und systematisch gestaltet sowie gezielt gesteuert werden, in jeder Phase einer Prüfung und auch darüber hinaus. Markenbotschafter (Werbeträger) eines Revisionsamtes sei jede/jeder Beschäftigte des Amtes – positiv wie negativ! Kommunikation und Revisionsmarketing seien untrennbar miteinander verbunden. Und schließlich sei Revisionsmarketing eine Daueraufgabe. Mithin bedeute Revision, alles zu hinterfragen, auch sich selbst, sein Wirken und seine Wirkungen.
Nina Vogt, Leiterin des Rechnungsprüfungsamts der Stadt Langenfeld, hatte die Einführung in ein besonderes Thema übernommen: „Klein, aber fein – was große Rechnungsprüfungsämter von kleinen Rechnungsprüfungsämtern lernen können.“ Sie wies zur Einführung auf strukturelle Unterschiede hin und zeigte auf, warum sich ein Perspektivwechsel lohne. Wesentlich sei Pragmatismus statt Perfektionismus. Kleine Rechnungsprüfungsämter verfügten über Generalistenkompetenz und Systemverständnis. Nähe zur Verwaltung bedeute Kenntnis, nicht Kumpanei. Sie müsse gesteuert, nicht verhindert werden. Es herrsche eine Verantwortungskultur statt Anonymität. Auch große Rechnungsprüfungsämter könnten bewusst Elemente kleiner Organisationen integrieren, ohne ihre Vorteile aufzugeben.
Matthias Warnecke, Referatsleiter im LWL-Rechnungsprüfungsamt, beschäftigte sich mit der Frage: „KI als neuer Heilsbringer?! – Was kann und darf sie in der Rechnungsprüfung leisten?“ Er wies darauf hin, dass die Möglichkeiten KI-gestützter Tools von Monat zu Monat wachsen würden. Was die einen erfreue: denn Textanalysen, automatisierte Dokumentenerstellung, Auswertung von Fotomaterial, Überprüfung von elektronischen Daten etc. könnten deutlich dazu beitragen, die Prüfungen effektiver und effizienter durchzuführen. Andere würden die Entwicklung mit Sorge sehen, da vielerorts noch keine Rahmenregelungen existierten, die Prüfenden nicht über erforderliche Kompetenzen verfügten, die Fragen rund um Datenschutz und Informationssicherheit im Raum schwebten und die Kommunikation zwischen RPA und Geprüften schwieriger werden könnte. Er stellte die Frage in den Raum, was wir tun müssten, um uns dieser Technologie nicht zu verschließen und sie gewinnbringend in der Rechnungsprüfung einzusetzen. Er zog das Fazit, dass KI die Arbeit der Rechnungsprüfungsämter stärken könne. Sie sei ein Werkzeug, dessen Nutzen wir aktiv gestalten müssten. Die Rechnungsprüfung habe die Chance, Vorreiter für den verantwortungsvollen Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung zu werden. Aufgabe der Führungskräfte sei es, Rahmen zu setzen, Kompetenzen aufzubauen und Chancen zu nutzen.
Ingo Brand, Leiter der Gemeinsamen Rechnungsprüfungsstelle der Evangelischen Kirche von Westfalen, ist der Meinung: „Glauben ist gut – Prüfen ist besser!“ Oder: „Prüft alles und behaltet das Gute.“ Er zeigte zu Beginn die Strukturen in der Evangelischen Kirche von Westfalen und in der Rechnungsprüfung auf. Danach wies er auf die Herausforderungen für die Rechnungsprüfung hin. Hierzu gehöre die finanzielle Situation der evangelischen Kirchen ebenso wie die Tatsache, dass die Prozesslandschaft und die Digitalisierung in vielen Verwaltungseinheiten ausbaubar seien. Schließlich ging er auch noch auf die Mehrwerte ein, die die Rechnungsprüfung in der Evangelischen Kirche von Westfalen erzielen kann. Sie biete einen unabhängigen Blick auf die Finanzen, schütze die Verantwortungsträger und zeige Möglichkeiten auf, Risiken zu vermeiden bzw. einzuschränken. Außerdem würden Impulse gegeben, um sich bietende Chancen zu verwerten.
Robert Helpenstell, Leiter des LVR-Fachbereichs Rechnungsprüfung, zog nach 1 Jahr in der Leitungsfunktion Bilanz unter dem Aspekt: Gutes erhalten – Neues gestalten. Dies sei mehr als ein Motto. Es sei eine Haltung, die helfe, Stabilität und Veränderung nicht als Gegensätze, sondern als zwei Seiten verantwortungsvoller Führung zu sehen. So sei das alte Leitbild aus dem Jahr 2013 im Rahmen eines World-Cafés aus der Mitte des Fachbereichs erneuert und im Intranet veröffentlicht worden. Bei der Prüfplanung gebe es keine Fünfjahresplanung mehr. Vielmehr werde das Prüffeld risikoorientiert erkundet und die Prüfplanung im Rahmen einer Prüfplankonferenz erstellt. Bei der Berichtserstellung stünden Verständlichkeit und Lesbarkeit im Vordergrund. Wichtig sei hier auch die Zusammenfassung. Durch eine veränderte Nachverfolgung solle die Wirksamkeit der Prüfung erhöht werden.
Dr. Mira Stock, Stadtdienstleiterin des Revisionsdienstes der Stadt Solingen, widmete sich schließlich der Personalgewinnung für das Rechnungsprüfungsamt. Personalgewinnung in der öffentlichen Finanzkontrolle gelinge, wenn man zeige, was stark mache: Sinn, Verantwortung und moderne Arbeitskultur. Wer Transparenz lebe, Entwicklung biete und digitale Kompetenz fördere, gewinne die Köpfe der Zukunft. Sie schilderte eine erfolgreiche Stellenbesetzung im Bereich IT-Prüfung/Datenanalysen. Hier sei es gelungen, einen TOP-Kandidaten einzustellen. Weiter ging sie auf die Besonderheiten des aktuellen Arbeitsmarktes und die Herausforderungen für die öffentliche Finanzkontrolle ein. Wichtig sei Personal mit der notwendigen Fach-, Sozial- und Methodenkompetenz. Als entscheidend für erfolgreiche Personalgewinnung sah sie Sichtbarkeit und Image, Zielgruppenorientierung, modernes Recruiting sowie Mitarbeitendenbindung an.
In der Abschlussrunde betonten die Teilnehmenden, dass trotz aller Trends die Kernaufgabe der kommunalen Rechnungsprüfung eben in der Prüfung bestehe. Es gehe immer darum, diese Aufgabe rechtmäßig, zweckmäßig und wirtschaftlich zu gestalten.