Qualitätsmanagement: Das Peer Review im Rechnungsprüfungsamt der Stadt Langenhagen[1] durch den Niedersächsischen Landesrechnungshof
Die bewusste Auseinandersetzung mit der Qualität der Rechnungsprüfung in Langenhagen begann mit der Selbsteinschätzung nach dem Qualitätscheck 59 von Küstermeier im Jahr 2014. Dabei wurde noch einmal ganz klar, dass die Qualität im Rechnungsprüfungsamt auch immer an personelle Ressourcen gekoppelt ist. So konnte die Einführung weiterer Qualitätsbausteine nach einer personellen Verstärkung erfolgen, als sich die Amtsleitung mehr aus dem operativen Prüfungsgeschäft herausziehen konnte. Als kleines RPA achteten wir jedoch darauf, dass wir Qualitätsbausteine wählten, die wir für die Größe unseres Amtes als sinnvoll erachteten[2] Der nächste logische Schritt war das Peer Review, um unsere Einschätzung und Umsetzung der Qualitätsbausteine zu validieren.
Unter einem Peer Review versteht man die Evaluierung eines Prüfungsorgans durch einen erfahrenen und unabhängigen externen Prüfenden bzw. durch ein Prüfungsteam (Peer = Gleichgestellte(r)/Ebenbürtige(r)). Das Peer Review ist in der Wirtschaftsprüfung und in der Internen Revision bereits ein eingeführtes Instrument des Qualitätsmanagements[3].
Im August 2023 bot uns die überörtliche Kommunalprüfung an, unsere Prüfungsqualität freiwillig und kostenlos einem Peer Review zu unterziehen. Grundlage dieses Peer Reviews war der KGSt® Bericht 1/2018, der auf Ausarbeitungen von Prof. Dr. Martin Richter basierte. Den dem Bericht beigefügten Kriterienkatalog passte die überörtliche Kommunalprüfung sprachlich an die gesetzlichen Regelungen Niedersachsens an und kürzte die ursprünglich 90 Kriterien angepasst an die Größenklasse der Stadt Langenhagen auf 62 Kriterien. Nach unserer Selbstbewertung dieser Kriterien mit 0 bis 3 Punkten erfolgte eine Evaluierung der Antworten und Validierung der Selbstbewertung durch ein Team der überörtlichen Kommunalprüfung. Dazu nahm das Team nicht nur Einsicht in Unterlagen. Es führte mehrere Interviews mit uns, dem Hauptverwaltungsbeamten, von uns geprüften Organisationseinheiten und mit politischen Vertreterinnen und Vertretern. Den Bericht über das Ergebnis des Peer Review erhielten ausschließlich wir. Es bestand keine Pflicht zur Veröffentlichung des Berichts und wir konnten selbst darüber entscheiden, ob der Bericht in einem Abschlussgespräch mit dem Hauptverwaltungsbeamten erörtert wird und ob bzw. wie die Ergebnisse des Peer Review in den politischen Gremien vorgestellt werden.
Das Fazit des Peer Reviews war für uns durchweg positiv. Die Zusammenarbeit mit dem Landesrechnungshof erfolgte auf Augenhöhe und partnerschaftlich. Durch das geprüfte Kriterium der Akzeptanz konnten wir Selbst- und Fremdwahrnehmung abgleichen und neue Erkenntnisse gewinnen. Zudem wurden wir motiviert, unsere Qualitätsbausteine um ein Handbuch der Rechnungsprüfung in Langenhagen zu ergänzen. Mit dem Handbuch setzen wir nunmehr die Klammer um die für Langenhagen geltenden Standards und Prozesse mit den dazugehörigen Qualitätsbausteinen. Wir nutzen es aktiv, sowohl als Arbeits- als auch als Einarbeitungsgrundlage. Und wir haben die Chance ergriffen, unsere Arbeit in dem Abschlussgespräch mit dem Bürgermeister und in der Politik darzustellen und zu diskutieren.
Über die bislang durchgeführten Projekte des Peer Reviews in Niedersachsen berichtet der Landesrechnungshof auch im Kommunalbericht 2024.
[1] Die Stadt Langenhagen grenzt nördlich an die Landeshauptstadt Hannover an, hat über 55.000 Einwohner und ein Gewerbesteuerertrag von durchschnittlich 73 Mio. €.
[2] Diesen Ansatz spiegelt auch das IDR Handbuch für die öffentlich-rechtliche Rechnungsprüfung wider, indem die die Selbsteinschätzung zum Reifegrad des Qualitätsmanagementsystems drei unterschiedliche Größenklassen bei der Rechnungsprüfungseinrichtung berücksichtigt
[3] KGSt® Bericht 1/2018: Qualitätsmanagement in der kommunalen Rechnungsprüfung, S. 8.
Siehe auch §§ 38 Satz 1 Ziffer 1 Buchstabe i, 38 Satz 1 Ziffer 2 Buchstabe g, 57 a Abs. 3 Wirtschaftsprüferordnung.